Die Welt braucht Frauen, die sich trauen

Auch ich bin eine Frau, die sich trauen muss.

Diese Woche sagte mir eine Frau im Büro „Wir Frauen müssen zusammenhalten und dürfen uns nicht alles gefallen lassen.“ Ich war dabei eine Aufgabe zu erledigen und sie erkannte, dass ich zu einer dieser Frauen werden könnte: Die Frauen, die zwar kein Problem damit haben sich nach vorne zu stellen und den Ton anzugeben, aber trotzdem dazu neigen – wie soll ich es ausdrücken? – die dazu neigen etwas zu tun und ihre Leistungen erst dann anerkennen, wenn es andere tun. Diese Frauen sind loborientiert und brauchen ständig eine Bestätigung ihrer Fähigkeiten durch Andere. Sie bilden die Mehrheit unter erfolgreichen Frauen, möchte man aktuellen Studien zum Thema „Women and Leaderhip“ glauben. Irgendwo in unserer Erziehung wurde uns unwiderruflich die Information eingebrannt, dass wir grünes Licht für unsere Entscheidungen benötigen und unsere Fähigkeiten erst dann real sind, wenn sie eine externe Qualitätsprüfung bestanden haben. 

Besagte Studien zeigen auf, dass Jungen im Kindergarten schon Führungsverhalten entwickeln, indem sie einfach machen, während Mädchen dazu erzogen werden sich unauffällig zu verhalten. Mütter vermitteln ihren Töchtern und Söhnen keine unterschiedlichen Botschaften, wenn sie sagen „Benehmt euch anständig.“ Erfahrungswerte zeigen jedoch, dass Mädchen öfter korrigiert werden als ihre männlichen Mitschüler.

Da fängt die Unsicherheit an. In meiner Jugend hatte ich immer das Gefühl, dass es einen Platz für Frauen gibt, den nur sie kennen. Interessanterweise, und das bestätigen Führungsfrauen wie Hillary Clinton oder Sherly Sandberg, machen Frauen andere Frauen darauf aufmerksam wo sie nicht hingehören: Nämlich oben. Zumindest Sandberg kommt deshalb zur Erkenntnis, dass wir, Frauen, uns selbst aus den Führungsetagen der Arbeitswelt ausschließen. Wir trauen uns Führung nicht im Alleingang zu, unterschätzen unsere Fähigkeiten, wollen gemocht und nicht respektiert werden.

Natürlich macht man es sich zu einfach, wenn man den Faktor „Mann“ aus dieser Argumentation ausschließt. Ein berichtigter Einwand – aber es geht mir dieses Mal nicht um die Männer. Die Gleichstellungsfrage ist bekannt und die Quote, die untrennbar mit den Errungenschaften der Frauenbewegung zusammenhängt, kommt. Der Kampf geht weiter und der Weg zum Ziel ist noch lang.

Wir müssen unbedingt einen generationsübergreifenden Dialog darüber führen was wir Frauen uns und unserem weiblichen Nachwuchs zutrauen. Das ist ebenso wichtig wie eine Quote auf dem Weg zu bringen, die die gläserne Decke beseitigen soll, die den Sprung von Frauen in die Vorstandsetagen unmöglich macht.

Was leben wir den vielen Mädchen und jungen Frauen also vor? Ich befürchte, dass positive Diskriminierungen allein uns junge Frauen und die Mädchen in der Welt nicht revolutionieren werden. Sie ebnen Wege, das stimmt. Wir müssen uns aber trauen diese Wege zu gehen. Wir müssen uns trauen zu leiten, zu gründen und in unsere großen Träume zu investieren. Wir kriegen es anscheinend nicht in die Wiege gelegt.

Was an der Diskussion bemerkenswert ist, ist dass es keinen Unterschied zu machen scheint, ob wir Frauen in Deutschland oder Ruanda sind. Der westliche Wohlstand wirkt sich nicht fördernd auf unser Selbstbewusstsein aus. Ja, die westliche Frau präsentiert sich emanzipiert und hat ein hohes Bildungsniveau erreicht. Mit nur zwei Prozent in den Vorständen von börsennotierten Unternehmen vertreten zu sein, gibt mir als Frau jedoch wenig Anlass für Optimismus. Women-Power sieht anders aus. Und wenn Angela Merkel nicht an der Spitze der deutschen Politik wäre, würden all unsere Hoffnungen auf die große Macht wahrscheinlich gänzlich schwinden.

Ich fand den Kommentar der unbekannten Kollegin ermutigend. Wir Frauen müssen tatsächlich zusammenhalten und Wegbereiterinnen sein. Das ist keine leere Kampfparole sondern eine Notwendigkeit. Die Frauen, die es geschafft haben eine kollektive Unsicherheit zu überwinden und sich in männerdominierte Arbeitsfelder zu behaupten, sollten ihre Erfahrungen teilen und andere Frauen inspirieren und motivieren. Das werden wir jedoch nicht schaffen, wenn wir uns gegenseitig Zweifel zuschieben . Die Welt braucht Macherinnen und weibliche Vorbilder. Und wir haben sie. Mädchen und Frauen engagieren sich sozial mehr, sind als Schülerinnen erfolgreicher, führen ihre Jobs pflichtbewusst aus, schmeißen den Haushalt und managen die Familie. Unerklärlich bleibt daher die große Verunsicherung, wenn es darum geht Führungsverantwortung zu übernehmen.

Jede Einzelne von uns hat ihren eigenen Kontext. Einige können erst viel später benennen was sie gebremst hat oder warum sie nie die gleichen Ambitionen hatten wie ihre männlichen Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen. Andere, das müssen wir auch akzeptieren, wollen gar nicht die Karriereleiter hochklettern. Am Ende des Tages geht es für mich um Chancen und Wahlfreiheit. Jede Frau, die eines Tages aufsteht und die Welt erobern möchte, sollte es machen und schaffen dürfen.

Deshalb müssen wir uns trauen, unsere Komfortzonen verlassen und daran glauben, dass wir Großes vollbringen können. So fangen Erfolgsgeschichten an.